Germania schmuggelte Hanf in die Paulskirche
- Eric wrigth
- 18. Dez. 2009
- 2 Min. Lesezeit
Als die Parlamentarier der Frankfurter Nationalversammlung 1848 -1849 in der Paulskirche um eine Verfassung für ein demokratisches und vereintes Deutschland rangen, taten sie das unter dem riesigen Gemälde der Germania.
Sie sollte den hoffnungsvollen Aufbruch der Deutschen in ein neues Zeitalter symbolisieren, mit gesprengten Fußfesseln vor einem Sonnenaufgang. In den Händen hält sie eine Deutschlandfahne, ein Schwert – und einen Hanfzweig!
Erstaunlicherweise ist das eine relativ neue Erkenntnis, die das Berliner Hanfmuseum vor kurzen zum Anlass seines 15-jährigen Geburtstages im wahrsten Sinne enthüllte. Seitdem ist dort eine Kopie des Gemäldes zu bestaunen.
Neu ist diese These deshalb, weil die wenigen Kommentatoren, die das Bild bisher oberflächlich beschrieben, von einem Ölzweig, einem Zweig des Olivenbaums, einem Palm- oder Lorbeerzweig in der Hand der Germania sprachen. Auch auf wikipedia ist noch von einem Ölzweig die Rede.
Die Abhandlung zur Germania die das Hanfmuseum anlässlich der Enthüllung “seiner Germania” veröffentlichte, erscheint mir stichhaltig, zumal die Pflanze eigentlich ziemlich eindeutig nach Hanf aussieht, jedenfalls viel eher als nach dem Zweig eines Olivenbaums:
Zuallererst war Hanf ein Faserlieferant. Der Segelschifffahrt, die mit Weltwarenwirtschaft und Kolonialismus’ gewaltig zugenommen hatte, diente Hanf als Universalrohstoff. Und schon vorher war Hanf im mitteleuropäischen Raum eine weit verbreitete Feldfrucht. Aus der Faser wurden Seile und Textilien hergestellt, aus den Samen das Öl gepresst. Galt Hanfsamensuppe noch als ‘Armeleute Essen’, so war das Öl ein durchaus übliches Pflanzenöl.
Es folgen Abhandlungen über das aufkommende Interesse an den medizinischen und berauschenden Wirkungen des Hanfes.
All das kann Philipp Veit verfolgt haben, doch für die Symbolkraft seines Gemäldes stand aller Wahrscheinlichkeit nach das allgemeine Wissen um den ölhaltigen Samen im Vordergrund. Es ist nahe liegend, dass Veit antike Symbole adaptiert und auf mitteleuropäische Verhältnisse übertragen hat. Hanf ist eine hiesig wachsende Ölpflanze. Die Olive wächst nicht in diesem Klima. Will man die antike Symbolik des Ölzweiges in cis-alpine übertragen, so nehme man eine hier übliche Ölpflanze, also stellte Veit eine Hanfpflanze dar, die die Germania in der Hand hält.
Wer mehr wissen will, schaue sich die Dokumentation des Hanfmuseums an oder schaue gleich mal dort vorbei!
Nachtrag vom 24.02.10 Philipp Veit hat offenbar nicht nur einmal Hanf als Symbol in einem Bild benutzt. Darauf hat mich Caspar Ulrich aufmerksam gemacht:
Hallo liebe Mitglieder des Hanfverbandes, ich habe heute mal wieder in dem Archiv eurer Berichte auf Hanfverband.de gestöbert, als mir der Artikel über das Gemälde der Germania von Philipp Veit in die Hände gefallen ist. Ich habe mich natürlich an unseren Geschichtsunterricht in der Schule zurückerinnert. Allerdings blieb auch der Kunstunterricht nicht in Vergessenheit. Also nahm ich das Bild genauer unter die Lupe. Als ich dann bei Wikipedia auf ein weiteres Gemälde von Veit gestoßen bin, habe ich auch dies auf Symbolik untersucht, besonders in Hinblick auf einen weiteren Hanfzweig oder ähnliches, und fand auch dort etwas. Es überraschte mich letztendlich nicht, dass Veit auch hier diese für die deutsche Geschichte nicht unwichtige Pflanze auf die Leinwand brachte.
Wenn man nämlich genau hinschaut, erkennt man im Vordgergrund auf dem Boden eine (oder vielleicht auch zwei) Hanfpflanze(n) (unten links, und eventuell unten rechts).
Im Anhang habe ich noch einmal verdeutlicht, was ich auf diesem Bild für Hanf halte und wollte euch fragen, ob ihr mir zustimmt? Mit freundlichen Grüßen Caspar
klare Sache, oder?




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